Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass mir der berühmteste deutsche Wärmepumpen-Hersteller rät, mir einen WLAN-Repeater zu kaufen, damit das mit meiner Wärmepumpe endlich klappt.
Also ein ratloser Blick ins Internet. Gleich stellt sich mir ein „Vater von zwei Jungen“ vor, also ein höchst vertrauenswürdiger Mensch. Er habe, rühmt er, „den Testsieger“ gekauft. Und es war das reine Wunder, was er für Erfahrungen er mit dem WLAN-Repeater-Testsieger gemacht hat: WLAN-Verbesserungen „bis zu 579 Mbit/s“.
Was ist ein Mbit/s? Ich weiss es nicht. Aber ich glaub´s. So herzlich, so persönlich hat mich dieser erfolgreiche Familienvater durch alle drei Stockwerke seines riesigen – offenbar amerikanischen – Homes geführt, in den Keller hinab, in den Dachboden hinauf, in den weiten Garten hinaus. Fast ein Mar-al-lago, jetzt endlich erschlossen durch den WLAN-Testsieger.
Auch seine beiden gesunden american boys haben den „Testsieger“ erbarmungslos getestet, nicht nur auf ihren Handheld-Spielkonsolen, sondern auch beim Gamen auf Smartphone, Tablets und PC. Und sind hingerissen vom „Testsieger“. Sogar, die Ehefrau kann es bezeugen, in allen drei Schlafzimmern kristallklarer Empfang von Netflix, Hulu, HBO und Peacock.
Jetzt nur noch eine Frage: Kann auch ich ihn bekommen, den Testsieger?
Sure, ich habe ihn bestellt. Ohne mich noch, wie es sonst meine Gewohnheit ist, bei der Stiftung Warentest in Berlin zu vergewissern. Es ist ja alles so nüchtern, so unterkühlt, und ehrlich gesagt: so langweilig bei der Stiftung Warentest. Dagegen mein geführter Kaufwandel durch ein grossartiges american home mit einem glücklichen american family father und seinen beiden gesunden american boys, das hat mich vom „WLAN-repeater-Testsieger“ voll überzeugt.
Allerdings scheint es jetzt beim „shipping“ meines Testsiegers über den Atlantik Verzögerungen zu geben. „Shipping“, was heisst das? Heisst das, dass ich hereingefallen bin? Zum ersten Mal in meinem hochbetagten Leben hereingefallen auf einen Influencer?
Ja. Aber bereuen tue ich es nicht. So schön bin ich hereingelegt worden. So klassisch wie einst Boccaccio hereinfiel auf Padre Cipolla, den gerissensten Reliquien-Influencer der Toskana.
So wunderbar konnte Padre Cipolla predigen, dass die ganze Toskana untröstlich war, als er mit einem Mal verschwand. Doch dann kam er wieder: „Wusstet ihr es nicht? Ich habe eine Wallfahrt gemacht. Eine wunderbare Wallfahrt nach Lügien und Trügien, nach Erfindien und bis in die Äusserste Mogelei.“
„Und wieviele wunderbare Reliquien ich heimgebracht habe! Nicht nur die wundertätige Feder des Engels Gabriel, sondern auch eine Locke des Seraphs, der dem heiligen Franz von Assisi feurig erschienen ist; ferner ein Fläschchen mit dem Schweiss, den der Erzengel Michael vergossen hat, als er mit dem Satan bis zur Erschöpfung kämpfte; nicht zu vergessen einen wunderschön erhaltenen Zahn des heiligen Kreuzes; eine Ampulle mit etwas Glockenklang vom Tempel Salomons; sowie, besonders kostbar, drei Kohlen vom Rost, auf dem der heilige Laurentius geröstet worden ist. Alles als echt bezeugt durch ein persönliches Schreiben des Patriarchen von Jerusalem.“
Fehlt eigentlich nur aus Lügien und Trügien ein wunderbarer WLAN-Repeater.
Im Ernst: die ganze Krise der Religion rührt davon her, dass sie glaubt, seriös werden zu müssen. Das muss sie doch gar nicht. Wie sagt der ewige, unsterbliche Gott im im zehnten Gesang der Bhagavad Gita, im „Buch der göttlichen Vollkommenheiten“:
„Von allen Betrügern bin Ich der gerissenste.“
Die Bhagavad Gita ist im ersten oder zweiten Jahrhundert in Indien verfasst worden. Würde sie heute geschrieben, so hiesse es gewiss:
Was ist ein WLAN-Repeater?
„Von allen Influencern bin ich der Testsieger.“